Einfach gesund ernähren: Warum ich Smoothies scheußlich finde

Der Smoothie-Hype scheint nicht abzureißen

…und ich bin anscheinend out, denn Smoothies gehen für mich gar nicht!

Sich im Dschungel der Ratgeber zu gesunder Ernährung mit Begriffen wie Superfoods Acai, Chai, Moringa und Smoothies zurecht zu finden, ist zweifelsohne schwierig. Da mischen so viele Marketing-Agenturen mit, die sich als Ernährungsspezialisten tarnen und wirklich ALLE nur dein Bestes wollen! Das will ich für meine Familie und mich natürlich auch! Deshalb habe ich im März diesen Jahres eine Basis-Ausbildung zur Ernährungsberaterin gemacht und wer schon einmal auf meine Bücherseite gespickt hat, weiß, dass ich schon viele Sachbücher, Fachzeitschriften zu diesem Thema gelesen habe.

Als berufstätige Mutter und mit mehr als 25 Jahren praktischer Kocherfahrung, weiß ich, was es bedeutet, täglich selbst frisch und gesund kochen zu wollen. Also kann ich schon ein bisschen mitreden.

Wieder ein neuer Trend: Die Smoothie-Welle

Das glückliche Kind war in seiner Vorschulzeit häufig erkältet. Das stresste mich extrem und kaum war es Herbst, war ich der Meinung, es mit noch mehr Vitaminen überschütten zu müssen, in der Hoffnung dieses Mal einigermaßen gesund über den Winter zu kommen.

Jedes Jahr freue ich mich zu Beginn der kalten Jahreszeit auf knackigen Feldsalat, bitteren Endivien und den vielseitigen Chinakohl. Nicht so das glückliche Kind. Es mochte generell gar keinen Blattsalat! Es spuckte ihn wieder aus! Da konnte er schon die ersten Buchstaben schreiben.

Der Marienkäfer weiß was gut ist (c)www.hundert-werden.de

Wie paralysiert saß ich ihm gegenüber und starrte auf seine Gabel, die wie ein Skalpell Salat sezierte, den ich schön mit Karotten, Oliven oder anderem Gemüse angerichtet hatte. Ich versuchte, mein Unverständnis zu verbergen. Es war für mich nicht nachvollziehbar, wie unser glückliches Kind so ablehnend gegenüber Salat sein konnte, ganz im Gegenteil zu seinen Eltern! Das war gerade zu der Zeit, als Smoothies der neue Trend und sozusagen in aller Munde waren.

 Smoothies: Lauter leckere, gesunde Zutaten

Wie praktisch. Alle gesunden Zutaten in einen Behälter, Mixer an und Zack servieren. 1 Minute später ist der tolle Vitamincocktail verschluckt, verschlungen. Wow, welche Zeitersparnis. Verlockend. Weil ich nie eine Kinderportion hinbekommen habe, musste der Ehepeter auch smoothen. Er kam gerade abends zur Wohnungstüre herein, da streckte ich ihm schon das Glas mit einem Lächeln hin. Oft war der Smoothie schon nicht mehr so schön grün, sondern leicht bräunlich.

Immer noch so lecker?

Das habe ich genau einen Winter lang gemacht. Und irgendwie hatte ich schon immer eine innere Abneigung gegen diesen Brei. Warum nur?

Sobald Babys Zähne bekommen, gibt man ihnen feste Nahrung, ein Stück Apfel oder Brotrinde zum Kauen. Und das torpediere ich und serviere dann einen Smoothie? Och nö!

Möchte man da nicht gleich reinbeißen?

Warum ich Smoothies unnötig finde:

  1. Kinder bekommen eine pürierte Pampe vorgesetzt und lernen überhaupt nicht richtig den jeweiligen Eigengeschmack des darin enthaltenen Obst und Gemüse kennen. Was für eine Entbehrung! Auch wenn es mehr liebevolle Geduld braucht, das weiß ich nun aus eigener Erfahrung, seinem Kind immer wieder eine Obst- und Gemüsevielfalt anzubieten, irgendwann ist man (Mutter) erfolgreich. Das verspreche ich. Sofern ihr selbst ein Vorbild seid.
  2. „Lass deinen Mixer für dich kauen und nimm deinem Verdauungssystem einen Teil der Arbeit ab…“ Das habe ich tatsächlich auf einer Smoothie-Seite gelesen!!! Weshalb sollte ich? Die Verdauung beginnt bereits im Mund und nicht im Mixer! Wer nur schluckt, hat schneller wieder Hunger! Es dauert bis zu 20 Minuten, bis die Meldung „satt“ im Hirn ankommt. Und so ein Smoothie rutscht ja geradezu durch. Und dann? Gerade Kinder (aber auch Erwachsene!) verlernen genussvolles Essen, wenn die Nahrung nicht richtig gut und lange gekaut wird.
  3. Smoothies werden gerne als Lösung bei Verdauungsproblemen vorgeschlagen. Die habe ich zwar nicht, aber hier hilft garantiert einfach mehr Bewegung. Auch Kau-Bewegung (s. Pkt. 2.). Oder mehr Flüssigkeit in Form von Wasser oder Tee. Generell mehr Gemüse und wer noch einen oben drauf setzen will, kann sich in seine Frühstücks-Bowl (Aha, schon wieder ein neuer Trend!) etwas Kleie oder Leinsamen streuen und darf statt Weißmehl- auch einmal Vollkornprodukte essen. (Tipp: hier bitte nicht radikal auf Vollkorn umsteigen, denn das könnte, wenn man es noch gar nicht gewöhnt ist, zu Blähungen führen. Also Schritt-für-Schritt und immer gut kauen)
  4. (Gekaufte) Smoothies sind aufgrund des oftmals hohen Anteils an Fruchtzucker richtige Kalorienbomben. Wer nicht an Untergewicht leidet, sollte besser die Finger davon lassen! Auch Smoothies mit Zuckerersatzstoffen (Süßstoff) lassen wir lieber im Regal stehen.
  5. Ebenfalls solltet ihr die Finger von diesen blödsinnigen Quetsch-Fruchtbreien für Kinder lassen. Kauft lieber richtige, regionale und saisonale  Früchte und lasst eure Kinder kauen, lutschen und genießen! Wusstest du, dass biologisch angebautes Obst und Gemüse mehr Vitamine und Mikronährstoffe enthält als konventionelles?
  6. Von wegen Zeitersparnis: Für den Smoothie muss ich meine Zutaten genauso waschen und schnippeln. Die Zeitersparnis durch das „nur-schlucken-statt-genussvoll-kauen“ schadet in meinen Augen mehr, als sie bringt. Bewusstes Essen ohne jegliche Ablenkung in entspannter Atmosphäre macht satt, glücklich und hält dich gesund.
  7. Ganz ehrlich: Ihr könnt mir noch so schöne Fotos präsentieren: Smoothies erinnern mich an diese Breie, die man Menschen einflößt, die bedauerlicherweise selbst nicht mehr imstande sind zu essen und kauen. Solange ich Zähne habe, möchte ich mich ihrer auch bedienen. Es ist wie mit anderen Körperteilen auch: werden sie nicht benutzt, verkümmern sie. Keine schöne Vorstellung, oder?!
  8. Gesund und bewusst ernähren kann ich mich auch ohne Smoothie! Die Empfehlung lautet mittlerweile mehr Gemüse als Obst zu essen, eben wegen des teils hohen Fruchtzuckergehalts in manchen Obstsorten.
  9. Auch deshalb gibt es bei uns zum Beispiel keinen frisch gepressten Orangensaft. Sondern die ganze Orange. Warum? Weil man kauen muss und sich in den Fasern auch noch viele tolle Ballaststoffe verstecken.

Fazit

Die beste Investition ist die in deine eigene Gesundheit. Vorbeugen ist alles! Dabei muss man nicht jeden Trend mitmachen, sondern darf kritisch hinterfragen und den gesunden Menschenverstand einschalten.

Die Fehltage des glücklichen Kindes in der Grundschule sind von Jahr zu Jahr weniger geworden und er isst jetzt beinahe alles. Ich sitze ihm mit leuchtenden Augen gegenüber und freue mich, dass sich meine liebevolle Hartnäckigkeit wieder einmal gelohnt hat.

Ich bin wie immer gespannt auf deinen Kommentar.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit. Ich wünsche dir Gesundheit, Glück und ein langes Leben,

Sandra

deine Bloggerin vom Bodensee

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Autor: Sandra

Bloggerin von www.hundert-werden.de

2 Gedanken zu „Einfach gesund ernähren: Warum ich Smoothies scheußlich finde“

  1. Hallo liebe Sandra,

    Du hast mit Deinem Bericht absolut recht, ganz besonders, was das Kauen angeht. Einige, wenige „Experten“ empfehlen ja mittlerweile auch, seinen Smoothie zu kauen. Ab und zu mache ich mir auch einen Smoothie, aber auch bei mir wird es immer seltener, denn ich glaube, dass ich dieses Übermaß an Obst/ Gemüse/ Superfood etc. pp. gar nicht brauche. Ich brauche ein gesundes Maß, aber nicht diese „Tonnen“ an Zutaten, auch für diese „Bowls“ (ich kann dieses Wort nicht leiden!), muss es nicht all das exotische Zeugs sein. Ein normaler Salatteller mit normalem, heimischen Grünzeugs tut es auch.

    Also, wenn Du mich mal besuchen kommst, dann gibt es garantiert keinen Smoothie für uns?.

    Ganz herzliche Grüße
    Deine Sabrina

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